Die innere Tunika

Auf dieser Seite beschreibe ich die Herstellung der Hose für das Jedi-Kostüm. Ich habe hier bewusst auf eine Blog-Darstellung der einzelnen Schritte verzichtet und alle Informationen ohne Cliffhanger in ein Dokument gepackt. Viel Spaß beim Lesen!

01.02.2014

Aus den Fehlern bei der Erstellung der Robe habe ich beim Nähen der Hose klar profitiert. Nachdem beim Nähen der Hose die Erinnerung an frühere Nähkurse so langsam wiederkehrte, habe ich beschlossen, an diesem Wochenende die innere Tunika anzufertigen. Aber woher einen Schnitt nehmen? Wieder einen konstruieren? Nach dem Tutorial, in dem auch die Robe beschrieben wurde. Nein…

Die Frage, die ich mir dieses Mal stellte, war: Wo hat die Jedi-Tunika eigentlich ihren Ursprung? Da George Lucas nachgesagt wird, der Name “Jedi” hat seine Ableitung vom japanischen “jidaigeki”, habe ich mich im ostasiatischen Sektor umgetan und nach Kimonoschnitten gesucht. Hier ist auch eine ganze Menge zu finden, allerdings passen insbesondere die Ärmel nicht so richtig ins Jedi-Schema. Also habe ich weitergesucht nach einer Tunika mit V-Ausschnitt. Und hier bin ich bei einem Schnittmusterhersteller namens simplicity fündig geworden. In diversen Forenbeiträgen hört man von Schnitt 4450, den es leider nicht mehr gibt. Nachdem ich einige Bilder im Internet gesehen habe, ist mir auch klar, warum: der ganze Schnitt sieht doch sehr nach Star Wars aus. Lucasfilms hat hier bestimmt ein Machtwort gesprochen. Allerdings bin ich über einen weiteren Schnitt gestolpert: 5840! Hier ein Bild der Schnitte:

Alles klar? Sieht doch auch sehr nach Jedi aus. Na gut… Oben links ist Blaukäppchen, oben rechts ein mittelalterlicher Dieb, unten links Flash Gordon und unten rechts ein Bengel mit eingelaufenem Bademantel. Halt…halt…halt…. Oben links ist mit ein wenig Anpassungen eine Jedi-Robe, unten rechts (verlängert, natürlich) eine Tunika und der Flash-Gordon-Verschnitt entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Träger von Tabards und eines Obi. Hmmm…….

Her mit dem Schnitt! Wenige Dollars und einen Download später hatte ich eine PDF-Datei. Aufmachen, drucken. Denkste! Passwortgeschützt. Mit Locklizard! Also diese komische Software noch installiert und schließlich war ich dann soweit. 160 Seiten und 2 Tesarollen später lag der Schnitt auf meinem Fußboden.

Große Sorgen bei diesem Schnitt machte mir der Ärmel. Dieser wird ziemlich bequem sitzen – also… ähmm… einen weiten Saum haben. Da die innere Tunika aber eher wie ein Hemd geschnitten sein sollte, stand ich hier vor einer Herausforderung, die mich den ganzen Abend beschäftigte. Woher nehme ich den Ärmelschnitt für ein Hemd? Kann ich selbst einen Schnitt entfernen? Wieder nach Methode Aldrich? Oder wie?

02.02.2014

Nach einer traumreichen Nacht, in der ich mich außer mit Hin- und Herwälzen auch mit Ärmelschnitten beschäftigte, habe ich mir am Sonntag morgen gedacht: Sche*** drauf! Es ist noch genug Reststoff von der Robe da (trotz einer Probehose, die ich aus diesem Stoff auch noch fertigen konnte). Machen! Tunika ausschneiden, wenigstens das Rückenteil, ein Vorderteil und einen Ärmel. Nachdem der Prototyp genäht und der Ärmel wie erwartet viel zu weit war, habe ich meine Frau gebeten, bei ausgestrecktem Arm vorsichtig den Ärmel wie bei einem Hemd abzustecken (Kommentar: “Mach ich nicht. Nachher bin ich Schuld, wenn was nicht passt”). Jaja… nach gutem Zureden hat sie’s dann doch getan. So. Tunika ausgezogen, die gesteckten Nadeln mit ein wenig Nahtzugabe auf das Schnittmuster übertragen und herausgekommen ist ein veränderter Ärmelschnitt, der perfekt auf meinen Arm passt. Is’ ja ein Ding. Und da kann man den ganzen Abend drüber nachdenken… Sachen gibt’s…

Nachdem diese Herausforderung erfolgreich gemeistert war, ging es an das Zuschneiden des Stoffes für die Tunika. Hier ist ein Bild vom festgesteckten Schnittmuster. Man kann auch gut den veränderten Ärmelschnitt sehen.

Hier ist noch einmal ein Bild vom ursprünglichen und dem neu zugeschnittenen Ärmel:

Nachdem die Vorarbeiten nun erledigt sind, können die Tunikaelemente mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm ausgeschnitten werden. Da auch bei der Tunika einige Nähte “offen liegen” wie beispielsweise die Schulternähte, sollten alle Zuschnitte vor der Näharbeit mit einem Zickzackstich versäubert werden. Dann werden (rechts auf rechts) das Rückenteil und die beiden Vorderteile aufeinander gelegt und die Schulternaht geschlossen.

Beim Tunikastoff ließ sich recht einfach die rechte und die linke Stoffseite erkennen: die rechte Seite hatte einen seidigen Glanz. Bei der Hose war kein Unterschied zwischen rechts und links zu erkennen… Nachdem die Schulternähre geschlossen sind, wird die Armkugel eingepasst. Das Einfachste ist, den Zuschnitt des Ärmels in der Mitte zu falten und die Falz in der Armkugel zu markieren. Dieser Punkt muss genau auf die Schulternaht geheftet werden. Nach Einpassen der Armkugel die Naht steppen.

Obwohl ich schon den Schnitt der Große S aus dem Schnittmusterbogen abgepaust habe (normalerweise trage ich L-XL), so musste ich doch nach dem Zuschnitt und anschließendem Nähen feststellen, dass mir die Schulternaht fast bis auf den Bizeps fällt. Daher habe ich beschlossen, auch in die Tunika Biesen einzunähen – genau so wie bei der Robe. Dazu ist so vorzugehen:

  1. Die Schulternaht auseinander bügeln.
  2. Die Ärmelnaht zum Ärmel hin bügeln.
  1. Ausgehend von der Ärmelnaht abmessen, wo die Biese liegen soll. Ich habe mich für 10 cm entschieden. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Tunika dadurch etwas spannt und eine Falte wirft. Aber da die innere Tunika sowieso nicht komplett zu sehen ist – was soll’s…
  2. Die gemessenen Positionen mit Stecknadeln fixieren.
  1. Jetzt die Ärmelnaht genau auf bzw. über die Stecknadeln legen und mit Stecknadeln fixieren. Danach die erste Lage Stecknadeln (unter der Ärmelnaht) vorsichtig entfernen. Wenn man da erst einmal die Biese drüber genäht hat, kommt man schlecht wieder dran.
  2. Als Nächstes den Ärmel nach oben über die Naht hinweg klappen.
  1. Vorsichtig die beiden Stoffteile auseinander ziehen, damit es keine Falten gibt und dann mit Stecknadeln fixieren.
  1. Den Stoff des Ärmels zurück legen und die zweite Schicht Nadeln entfernen.
  2. Von der Schulternaht ausgehend abmessen, wie weit die Biese gehen soll und die Position mit Stecknadeln fixieren. Ich habe mich für eine Länge von 12 cm in beide Richtungen entschieden.
  1. Tja, was soll ich sagen? Jetzt vorsichtig von der einen Nadel zur anderen steppen. Fertig!
  1. Stecknadeln entfernen nicht vergessen!

Jetzt können in einem Rutsch Ärmelnaht und Seitennaht der Tunika geschlossen werden. Dazu beginnend vom Ärmelsaum Stecknadeln setzen. Aufpassen, dass in der Achsel alle vier Nähte genau aufeinander treffen. Dann die Seitennaht mit Stecknadeln versehen. Abschließend in einem Rutsch mit einem geraden Stich steppen. Fertig ist der Grundschnitt der Tunika.

Mit der ganzen Rumprobiererei und Schnittanpasserei ist es wieder mal 22:30 geworden. Zeit ins Bett zu gehen – den Kragen mache ich morgen.

03.02.2014

Tja… das Leben ist das was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen.

04.02.2014

Was ist noch zu tun? Der Saum an der Tunika muss noch angefertigt werden und der Kragen muss noch dran. In den Nähanleitungen zu den Kimonos, die ich am Wochenende studiert habe, wurde immer erst der Kragen angebracht und dann der Kimono gesäumt. Ich habe mich für eine andere Herangehensweise entschieden: Erst wird gesäumt, dann kommt der Kragen dran.

Der Saum ist bei meiner Tunika etwas ungleich ausgefallen. Das lag aber daran, dass ich den Schnitt für die Tunika kürzer geschnitten habe als das Schnittmuster vorgegeben hat. Dabei muss ich das Rückenteil wohl kürzer bemessen haben als die beiden Vorderteile. Aber: never mind! An der Stelle mit dem geringsten Überstand habe ich einen Saum von 1,5 cm vorgesehen. Der Saum am Vorderteil ist halt etwas größer ausgefallen.

Jetzt den Saum einfach steppen – fertig. Der Kragen erfordert etwas mehr Geschick. Zuerst einmal müssen die beiden Kragenteile zusammengenäht werden. Dazu die beiden Kragenteile rechts auf rechts zusammenlegen und an den Enden zusammensteppen. Die Naht auseinanderbügeln. Jetzt die Naht des Kragens in die Mitte des Rückenteils legen. Dabei beide Teile rechts auf rechts legen. Mit Nadeln den Kragen auf der Tunika fixieren. Im Halsauschnitt die Abstände zwischen den Stecknadeln bewusst klein wählen, damit der Stoff sich hier nicht verziehen kann. Von der Mitte des Halsauschnitts ausgehend den Kragen bis ans untere Ende der beiden Vorderteile legen.

In meinem Fall ist der Kragen etwas länger als die Tunika, da ich den Kragen nach Schnittmuster ausgeschnitten habe. Aber das ist – wie wir gleich feststellen werden – nicht weiter schlimm. Der Kragen wird nun mit einer Naht von 1,5 cm an die Tunika genäht. Nachdem der Kragen angenäht ist, den Kragen ausklappen und die linke Seite der Tunika nach oben legen.

Jetzt wird es etwas tricky: Den Kragenstoff am Saum der Tunika ca. 1,5 cm einschlagen. Ebenso den Kragenstoff an der Längskante 1,5 cm einschlagen. Den so entstehenden Saum mit Nadeln fixieren. Dabei daran denken, die Stecknadeln von der rechten Seite des Kragensaums einstecken. Da der Saum gleich an bereits gesteppten Naht festgenäht wird und dazu umgeschlagen werden muss, können die Nadeln nach Anfertigen der Naht nicht mehr entfernt werden, wenn sie von der linken Seite her eingesteckt wurden.

Jetzt den Saum auf die bereits gesteppte Naht legen. Dabei darauf achten, dass der Saum knapp über der Naht zu liegen kommt.

Beim Feststecken des Kragens aufpassen, dass es keine Falten gibt oder der Kragenstoff knittert. An den Säumen der Tunika stand bei mir der Kragenstoff über. Hier den Kragenstoff zurechtschneiden (ca. 1.5 cm überstehen lassen).

Den überstehenden Stoff nach innen einschlagen, damit er nicht ausfransen kann.

Jetzt die Tunika auf die rechte Seite wenden und knapp über die bereits bestehende Naht steppen. Dadurch wird der Kragen fixiert.

Damit ist die Tunika fertig! Da jetzt schon die Robe, die Hose und die innere Tunika fertig sind, habe ich eine kleine Modenschau vorbereitet. Hier ein Bild von mir in Tunika und Hose:

Hier ist noch eine Detailansicht der Schulterbiesen zu sehen:

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